5. Dezember 2011

Facebook - Soll ich mit meinem Unternehmen am Trend teilnehmen?

Schon lange ist Facebook kein unbekannter Service mehr. Innerhalb von 5 Jahren hat sich das Social Network als absoluter Marktführer in diesem Bereich mit weltweit mehr als 650 Millionen Benutzer, von denen bereits knapp 18 Millionen aus Deutschland stammen, positioniert. Somit ist bereits jeder fünfte Deutsche auf Facebook vertreten. Dieses zieht sich durch alle Alters- und Bildungsstrukturen und ist fast geschlechtsneutral. Im Durchschnitt loggen sich 50% der Benutzer täglich ein und sind mit 130 Freunde vernetzt.

Als die ersten Internetseiten von Unternehmen genutzt wurden, waren viele noch der Meinung, dass es sich nicht lohnen würde mit seinem Unternehmen im Internet vertreten zu sein. Eine online Visitenkarte sollte bei vielen das Maximum sein. Heutzutage wird immer mehr die klassische Werbung zurückgefahren und die Chancen der neuen Medien werden genutzt. Hier bietet Facebook ein effektives Marketinginstrument, was immer stärker von Unternehmen eingesetzt wird. Für manche Unternehmen lohnt es sich vielleicht eher, für andere ggf. weniger. So kann bei Firmen die sich direkt an den Endanwender richten und zudem noch Livestyle-Produkte anbieten von einer größeren Interaktion ausgegangen werden als bei einem Unternehmen, dass ausschließlich im B2B-Bereich aktiv ist. Die Benutzer müssen Spaß an dem Produkt / der Dienstleistung haben, so dass sie gerne über dieses berichten und die Freunde ggf. sogar dadurch neidisch machen.

Aber auch für den Rest empfiehlt es sich aufgrund der doch geringen Investitionskosten und der kostenlosen Nutzung mit auf Facebook vertreten zu sein, um sich dort zusätzlich zu präsentieren. Wie groß dieser Umfang der Präsentation später ist, kann anhand des Erfolges variieren und bei Bedarf immer weiter ausgebaut werden. Auch für das Thema der Suchmaschinenoptimierung lässt sich Facebook verwenden, da Einträge über die Firma und deren Verlinkung natürlich auch von Google & Co. gerne gesehen wird.

Doch was genau kann ich auf Facebook machen und wie mein Unternehmen präsentieren?

Generell kann jeder Facebook-Benutzer nicht nur sein eigenes Profil bearbeiten und pflegen, sondern auch zu verschiedenen Themen neue Seiten / Gruppen etc. erstellen. Teilweise werden diese Seiten auch automatisch durch Facebook erstellt, in dem ein Benutzer das Thema innerhalb seines Profils einträgt. Daher kann es auch gut sein, dass das eigene Unternehmen bereits auf Facebook eine eigene, ggf. automatisch erstellte Seite hat, wenn z.B. ein Mitarbeiter das Unternehmen als Arbeitgeber eingetragen hat. Um dem zuvor zu kommen und die Möglichkeit zu nutzen, das Unternehmen in einem angemessenen Rahmen zu präsentieren, sollte man rechtzeitig damit beginnen, eine Seite auf Facebook anzulegen. Durch die Autovervollständigung während der Eingabe besteht so die Möglichkeit, dass der Mitarbeiter die vorhandene Schreibweise des Unternehmens verwendet und somit die original Firmenseite automatisch aus dem Profil heraus verlinkt wird. Wichtig dabei ist, dass für ein Unternehmen wirklich immer eine eigene Seite angelegt wird und nicht einfach hierfür ein Benutzerkonto entfremdet wird. Dieses ist im Nachhinein nur schwer bis gar nicht wieder rückgängig zu machen. Die Benutzerkonten müssen immer auf reale Personen angelegt werden. Diese können dann als Administratoren für die Unternehmensseite zugewiesen werden und diese pflegen.

Das Anlegen der Unternehmensseite ist der wichtigste Schritt, den man auf Facebook als erstes machen sollte. Da man durch den von Facebook gelieferten Rahmen recht eingeschränkte Darstellungsmöglichkeiten hat, ist eine sinnvolle Nutzung des Profilbanners, wessen Ausschnitt zeitgleich auch als Icon bei der Auflistung von Einträgen / Posts angezeigt wird, von großer Bedeutung. Der Profilbanner gibt zum einen das Erscheinungsbild der Facebook-Seite und die des Unternehmens wieder und zum anderen kann er zugleich als Werbemittel genutzt werden.

Der Aufbau von weiteren, individuellen Unterseiten innerhalb des Firmenprofils bedarf dagegen schon technischen Wissens, da es sich um die Erstellung kleiner Internetseiten handelt. Auch die Erstellung von so genannten Facebook-Apps die spezielle Funktionalität und Interaktionen mit den anderen Benutzern bieten müssen zunächst konzeptionell geplant und speziell programmiert werden. Dagegen lassen sich die bereits vorhandene Funktionalität von Facebook einfach nutzen.

Startseite der Unternehmens Fanpage

Opodien TripMap als Facebook App

Auf der Pinnwand kann man Informationen mitteilen und mit den Benutzern in Kontakt treten. Es besteht dabei auch die Möglichkeit Bilder und auch Videos zu präsentieren. Um Neuigkeiten nicht immer zusätzlich auf Facebook eintragen zu müssen, besteht hier die Möglichkeit die Neuigkeiten von der eigenen Webseite z.B. über einen RSS-Feed einzubinden und automatisiert auf die Pinnwand einzutragen. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass man seine Fans nicht mit Informationen überschwemmt und dadurch belästigt. Hier ist eine Kontinuität wichtiger und das Limit von einem Post pro Tag sollte man versuchen nicht zu überschreiten.

Das Geheimnis des Erfolgs von Facebook liegt aber nicht darin, dass man Informationen präsentieren kann, sondern dass sich diese durch die Benutzer automatisch weiter an neue Interessenten verbreiten. Es gibt den sogenannten "Gefällt mir"- oder auch "Like"-Button auf Facebook, um seinem Freundeskreis signalisieren zu können, was für Interessen man hat und auf was man vielleicht beim Surfen gestoßen ist. Wird ein Eintrag hierdurch markiert, erscheint dieses automatisch im Verlauf der Freunde und es wird ggf. dort deren Interesse geweckt. Hier spielt der Vertrauensfaktor zusätzlich eine große Rolle. Wenn etwas dem eigenen Freund gefällt ist dieses eine ehrliche Bewertung. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass einem das auch interessiert und es erneut durch den "Like"-Button bestätigt. Ähnlich einem legalen Schneeballsystem verbreitet sich dabei die Information von Freundeskreis zu Freundeskreis und man kommt in den Genuss des Netzwerk-Effektes. Facebook-Benutzer können aber nicht nur einzelne Beiträge, sondern auch ganze Seiten wie z.B. Unternehmen, Gruppen etc. "liken" und werden hierdurch sogenannte Fans. Dies geschieht dadurch, dass der Benutzer den "Like"-Button auf der Facebook-Seite des Unternehmens (oder auch einen auf der Internetseite des Unternehmens extra eingebundenen Button) klickt. Als Fan erhält der Benutzer automatisch die Status-Updates in seinen Facebook-Verlauf und wird dadurch stetig auf dem Laufenden gehalten und ggf. als Multiplikator genutzt.

Zusätzlich zum "Gefällt mir" kann der Benutzer auch Einträge, Fotos, Videos etc. kommentieren und somit sein Interesse noch verdeutlichen. Natürlich können hierunter auch negative Stimmen sein, die man nicht unbedingt kontrollieren kann. Zwar gibt es die Möglichkeit bestimmte Einträge / Kommentare zu entfernen, doch hat die Vergangenheit gezeigt, dass dieses eher zu einem größeren Ausbruch der Missstimmung führt, was zu einem wesentlich größeren, negativen Einfluss führen kann. Daher sollte hier lieber die Interaktion mit dem Benutzer gesucht werden. So hat man als Unternehmen z.B. auch die Möglichkeit den Beitrag erneut zu kommentieren, somit auf den Benutzer einzugehen und vielleicht sogar das Problem zu beheben. Durch eine solche engagierte Problemlösung kann das Unternehmen auch den anderen Benutzern zeigen, wie professionell man arbeitet und sich um seine Kunden kümmert. Einer negativen Meinung kann somit schnell den Wind aus den Segeln genommen werden, zumal keine komplett anonymen Kommentare abgegeben werden können und diese daher (hoffentlich) überwiegend sachlich sind.

Neben der Unternehmenspräsentation bietet Facebook noch weitere Möglichkeiten das Portal geschäftlich zu nutzen:

  • So können Veranstaltungen angelegt werden, zu denen Nutzer eingeladen werden welche darüber auch Zu- oder Absagen können. Öffentliche Veranstaltungen des Unternehmens können hierdurch über einen weiteren Kanal bekannt gemacht werden.
  • Ähnlich wie auf Google Maps können so genannte Places auf Facebook eingetragen werden. Es handelt sich dabei um Standorte an denen die Benutzer mit Mobilgeräten "einchecken" können, wenn diese direkt vor Ort sind. Hierdurch wird auch wieder der Standort in der Freundesliste verbreitet.
  • Zusätzlich gibt es die Möglichkeit als Unternehmer ortsgebundene Gutscheinaktionen zu platzieren. Jeder der auf Facebook bei dem Standort eingecheckt und dadurch kostenlose Werbung für das Unternehmen macht, kann dadurch z.B. den Kaffee einmalig zum halben Preis erhalten.
  • Noch ein interessanter Service auf Facebook sind die kostenpflichtigen Werbeanzeigen die man für sein Unternehmen schalten kann. Diese ähneln den Adwords auf Google, jedoch mit dem großen Vorteil, dass diese wesentlich zielgerichteter ausgelegt und gesteuert werden können. Die Benutzer auf Facebook sind schließlich angemeldet und durch das jeweilige hinterlegte Profil wird der Betrachter der Werbeanzeige recht transparent. So kann man die Anzeige z.B. nur für weibliche Hochschulabsolventinnen anzeigen, die nicht in einer Beziehung sind und Interesse an dem Thema Urlaub haben. Dadurch sind die Conversions bei solchen Anzeigen höher als der Durchschnitt. Des Weiteren besteht auch hier die Möglichkeit der "Like"-Funktionalität, so dass ein Benutzer zusätzlich zur Anzeige sieht, welche Freunde das zusätzlich empfehlen können.

Nach all diesen Fakten stellt sich die Frage: Kann man es sich als Unternehmen leisten nicht daran teilzunehmen?

Seit kurzem ist der Facebook-Konkurrent von Google in der Betaphase gestartet. Unter dem Namen "Google+" versucht nun Google sein Social Network zu platzieren und der Monopolstellung von Facebook kontra zu geben. Durch die große Erfahrung von Google und den bereits vorhandenen Services wie Flickr, Youtube und Adwords/Adsense sowie das scheinbar grenzenlose Kapital wird Google+ schon teilweise als das neue Facebook gesehen. Ob es wirklich soweit kommt, wird die Zukunft zeigen. Was aber klar seien dürfte ist, dass es Einfluss auf die weitere Entwicklung von Facebook haben wird. Der Marktführer bekommt einen ernstzunehmenden Konkurrenten und muss sich daher jetzt besser um seine Benutzer kümmern und auf deren Kritikpunkte eingehen, um diese nicht zu verlieren.

5. Dezember 2011
Christian Lange

Christian Lange