19. März 2010

SEMSEO 2010

Bis vor Kurzem beschränkte sich meine Erfarung mit Konferenzen im Web-Bereich auf die regelmäßige Teilnahme anTYPO3-Veranstaltungen. Das hat sich seit dem 26. Februar geändert: Ich war erstmals auf der Suchmaschinenoptimierungs- und Suchmaschinenmarketing-Konferenz SEMSEO in Hannover. Die Location, das Atrium im alten Rathaus, ist sehr atmosphärisch und stilvoll, der Konferenzraum war für meinen Geschmack allerdings ein wenig klein, für die Menge der Besucher. Das Teilnehmerfeld setzt sich aus war sehr gemischt, bestehend aus Spezialisten von Agenturen, Entscheidern und SEO-Beauftragten unterschiedlicher Unternehmensfelder. Diesem breiten Spektrum angepasst waren die Inhalte der Vorträge sehr vielseitig. Einige interessante Punkte hier im Überblick:

Mobiles Internet

Im SEO-Bereich derzeit ganz oben: Das mobile Internet ist in 2010 das Thema für Suchmaschinenoptimierer. Über diesen Trend stellt sich auch für den Endkunden die Frage, ob für die eigene Branche von Nutzen und Interesse ist.

Verfügt man bereits über eine hinreichend optimierte Webseite kann man sich einen großen Vorteil zu Nutze machen. In diesem Fall genügt es eine Version der Webseite zu erstellen, welche im Hinblick auf Design und Layout für portable Endgeräte optimiert ist. Hält man sich hierbei an die bereits bestehende Webseitenstruktur und bleibt bei der Linkstruktur und den Inhalten, erhält man ohne Mehraufwand direkt eine grundliegend optimierte mobile Webseite. Im Idealfall werden dann über entsprechende Redirects die Benutzer mobiler Endgeräte direkt auf die richtigen Seitenversionen geleitet und somit ebenso der Suchmaschinen-Crawler für mobile Webseiten.

Vermeiden sollte man die Nutzung eigener Internetadressen mit identischen Inhalten, wie beispielsweise der Domainname mit unterschiedlichen TLDs, wie .at oder .ch. Hierdurch erhält man eigenständige Webseiten mit identischen Inhalten, was von Suchmaschinen nicht gerne gesehen wird.

Linkbuilding

Ein wichtiger Aspekt der Suchmaschinenoptimierung ist ein guter Aufbau der internen Linkstruktur. Dafür werden zum Beispiel die relevanten Begriffe in Inhalten auf entsprechend passende Unterseiten verlinkt. Man sollte generell darauf achten, für den Druck optimierte Seiten nicht indizieren zu lassen. Diese ranken generell im Vergleich zu normalen Inhaltsseiten relativ gut, weil das Code- / Content-Verhältnis hier optimiert ist. Gelangt ein Interessent jedoch über eine Suchmaschine auf Printseiten, wird ihm damit nicht geholfen. Alternativ sollte man auf einen Backlink zur Startseite innerhalb der Druckansicht achten.

In der anschließenden Fragerunde wurde das Thema sprechenden URLs angesprochen. Generell ist es durchaus wünschenswert sprechende URLs kryptischen Adressen vorzuziehen. Handelt es sich allerdings um eine gut gerankte Webseite, die bereits seit einiger Zeit besteht, sollte man ganz nach dem Motto „Never touch a running system“ von einem Wechsel auf sprechenden URLs absehen.

Wie ticken die Suchmaschinen?

Besonders vielen Fragen musste sich John Müller (Google) und Andreas Bode (Bing) stellen. In ihren Vorträgen haben beide Vertreter die jeweilige Suchmaschine genauer vorgestellt.

Im Fall von Google ging es in erster Linie um das Thema Indizierung von Webseiten, also das übliche Vorgehen, wenn es darum geht neuen Inhalt in den Google-Index zu bringen. Besonders interessant: Bevor der Google Crawler beginnt eine Seite zu untersuchen ist der so genannte Scheduler dafür zuständig zu bestimmen, wie viel Crawler-Last der Server der jeweiligen Webseite verträgt. Es hängt also direkt von der Belastungsfähigkeit des Servers ab, ob und wann neue Inhalt indiziert werden.

Andreas Bodes Vortrag bestand in erster Linie aus generellen Informationen rund um die relativ junge Suchmaschine. Interessant hierbei: Bing nutzt neuronale Netze um so mittels stetig lernender Systeme ein optimales Suchergebnis liefern zu können. Hierfür wird in erster Linie das Verhalten der Suchenden ausgewertet und verarbeitet. Zudem werden im Hinblick auf Relevanzoptimierung Live-Tests durchgeführt. Das bedeutet, dass einige Prozent der aktuell Suchenden eine andere Oberfläche präsentiert bekommt. Über Klickpfade und das generelle Suchverhalten kann dann die Akzeptanz neuer Features ausgewertet werden.

Podiumsdiskussion

In der abschließenden Diskussionsrunde konnten die Besucher allgemeinere Fragen rund um das Thema Suchmaschine stellen. Insbesondere die generell steigenden Bedenken gegenüber Google wurden angesprochen. Explizit ging es um das Thema Google Analytics, am Beispiel des folgenden Szenarios: User A loggt sich beispielsweise bei Google Adwords ein und besucht anschließend Webseite B, welche Google Analytics nutzt. Nun könnte theoretisch eine Verbindung zwischen Person A als Besucher auf Webseite B hergestellt werden, was aus datenschutzrechtlicher Sicht problematisch ist.

John Müller zufolge habe Google generell den Payment-Bereich von allen anderen Bereichen strikt getrennt. Die allgemeine Meinung zu diesem Thema war eindeutig: Google ist von seinen Nutzern abhängig. Das Schlimmste was sie machen könnten wäre also, das Vertrauen der Nutzer zu verlieren, indem sie deren Daten missbrauchen. Dennoch ist es Fakt, dass viele Internetbenutzer „Angst vor Google haben“. Diese Angst entsteht jedoch in erster Linie durch die Medien, denn eben jene berichten vorzugsweise darüber, wie böse Google ist. Ein weiteres Statement seitens John Müller hierzu: Wie soll man beweisen, dass man etwas schützt...

Pubcon

Traditionell findet die SEMSEO ihr fließendes Ende in der Pubcon, dem wohl größten SEO-Networking-Event im deutschsprachigen Raum. In der Stadtbrauerei HBX treffen sich die meisten Besucher der SEMSEO mit weiteren Interessenten und reden bei Buffet und freien Getränken über Themen rund um Web und Optimierung.

Fazit

Für mich hat sich der Besuch der SEMSEO 2010 gelohnt. Es gab viele interessante Vorträge, die vor allem unterschiedliche Denkanstöße gebracht haben. Sowohl die Konferenz ansich, als auch die anschließende Pubcon sind nicht nur für SEO-Profis interessant sondern auch für Einsteiger und Entscheider. Ich werde auf jeden Fall 2011 wieder dabei sein.

19. März 2010
Berit Hlubek

Berit Hlubek